Private Krankenversicherer leisten mehr Widerstand

Der Interessenkonflikt nimmt kein Ende

Während sich der PKV Verband als Interessenvertreter der Privaten Krankenversicherungen das Jahr 2016 dazu erkoren hat, endlich Transparenz und Verständlichkeit in das Thema PKV Tarifwechsel nach § 204 VVG zu bringen, ist die Realität ernüchternd.

Laut Verband soll es Versicherungsnehmern einfach gemacht werden, den optimalen Tarif zu finden, der das gleiche Leistungsniveau bei weniger Beitrag bietet. Dieses Wechselrecht in einen modern jungen Tarif haben die Versicherten bereits seit 2009. Aber die Kampagne mit dem zugrunde liegenden Leitfaden hat auch einen anderen Hintergrund.

Den Verbraucher in einen gleichwertigen Tarif zu bringen und dafür weniger Beitrag zu erhalten, widerspricht dem kaufmännischen Interesse eines Versicherers. Warum aber will der Verband und seine Mitglieder dennoch Versicherungsnehmern aus freien Stücken helfen? Weil sie es müssen?

Die Antwort ist woanders zu finden. Es geht um die Mitwirkung der Tarifoptimierer, die Versicherungsnehmer beraten, das Beste aus den Tarifmöglichkeiten für sie aufzuzeigen. Und das Beste geht meistens weit über das hinaus, was die Gesellschaften ihren Kunden bereit sind zuzugestehen. Anders ausgedrückt: die Tarifoptimierer kosten den Gesellschaften viel Geld. Sie erzielen Beitragsreduzierungen mit dem Anspruch das Leistungsniveau beizubehalten.

Während die Gesellschaften ihren Kunden eine Erhöhung der Selbstbeteiligung mit gravierenden Leistungseinbußen oder Unisex-Tarife anbieten, die einen Wechsel zurück in die Bisex-Tarifwelt unmöglich machen, strebt ein unabhängiger Optimierer das Ziel einer Beitragsreduzierung ohne Leistungsverlust an. Um dieses Ziel zu erreichen, muss man die Tariflandschaft der Gesellschaften gut kennen. Denn es bedarf auch etwas Kreativität, wenn man beispielsweise höherwertige Zieltarife in der Leistung so beschneidet, um sie auf das aktuelle Leistungsniveau des Ausgangstarifs anzupassen.

Einige Versicherungsgesellschaften verweigern die Kooperation mit Optimierern. Sobald bei ihnen eine Anfrage zur Berechnung von Zieltarifen eingeht, wenden sich diese Versicherer direkt an den gemeinsamen Kunden. Dem Versicherungsnehmer wird suggeriert, dass er für einen Wechsel des Tarifes keine Unterstützung seitens des Optimierers benötigt. Der Versicherungsnehmer könne den Wechsel auch honorarfrei ohne Hilfe vollziehen.

Tarifoptimierer haben ihre Berechtigung

Wir erinnern uns: Ein Tarifoptimierer wird nicht vom Versicherer entlohnt. Warum versucht der Versicherer ihn dennoch aus der Beratung auszuschließen? Professionelle Tarifoptimierung ist schlichtweg nicht im Interesse der Versicherer.

Patientenrecht

Und so kommt es zu einem zweifelhaft rechtskonformen Handeln von Versicherern. Sie umgehen die Vollmacht des Tarifoptimierers und ignorieren den Wunsch des Versicherungsnehmers, den Tarifwechsel mit Hilfe eines Experten durchzuführen.

Ein klassisches Schreiben einer Versicherungsgesellschaft, welches ein jeder Tarifoptimierer bereits für viele seine Kunden erhalten hat, lautet wie folgt:

„Die Vollmacht unseres Versicherungsnehmers und dessen Wunsch nach einer Tarifumstellung haben wir erhalten. 

Unsere Versicherten haben jederzeit die Möglichkeit in andere Tarife zu wechseln. Ein Wechsel kann jedoch mit Leistungsänderungen oder höheren Selbstbeteiligungen verbunden sein. Auch ist die Rückkehr in den bisherigen leistungsstärkeren Tarif nur mit einer erneuten Gesundheitsprüfung möglich.

Bei einer so bedeutsamen Entscheidung ist uns der persönliche Kontakt mit dem Kunden sehr wichtig. Die Unterlagen für einen möglichen Tarifwechsel haben wir deshalb an unseren Kunden gesendet und werden uns auch zukünftig direkt an ihn wenden. Das ist rechtlich zulässig (VersR 2013, 841). Wir bitten um Ihr Verständnis.“

Es ist eine rechtsirrige Auffassung und Fehlinterpretation der herangezogenen Rechtsprechung aus dem Jahr 2013, wenn ein Versicherer auf den direkten Kontakt bei einem Tarifwechsel besteht. Das Urteil berechtigt den Versicherer keineswegs die Korrespondenzpflicht zu umgehen. Wenn es sich wirklich um eine derart wichtiges Thema handelt, ist eine Zumutbarkeit der Korrespondenzpflicht ohnehin gegeben.

Die Versicherer bleiben einem altbekannten Verhaltensmuster treu, bis sie durch das nächste Urteil in die Schranken gewiesen werden. Aber das braucht seine Zeit. Und diese Zeit haben die Gesellschaften.

Einen Gedanken sollte man immer im Kopf behalten: Wenn Versicherer aus eigenem Antrieb ihren Versicherungsnehmern immer die besten Zieltarife anbieten, würde es das Geschäftsprinzip der Tarifoptimierung nach § 204 VVG überhaupt nicht geben.

Autor: Werner Gerdts, GF, Mavencare GmbH
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